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 Kurz-Kolumne für den Gratisabdruck bei Printmedien

Sind Äusserlichkeiten unwichtig?

Weiach. - Es ist erschreckend wie prominente Leute aus den Führungsetagen, der Politik, aus der TV-, Film- und Show-Szene etc. sich oftmals persönlich präsentieren. Sie entfernen sich mehr und mehr vom Attribut "Klasse haben" in ihrem persönlichen Auftritt. Leute mit "Klasse" sind ganzheitliche Wesen, bei denen Körper, Seele und Geist im Einklang stehen. Diese Stimmigkeit bewirkt eine innere Harmonie, die von Aussenstehenden als Kraftfeld wahrgenommen wird – die Wirkung ist eine positive "nonverbale Kommunikation".

Nicht einmal ein Minimum an Regeln in Bezug auf ihren "öffentlichen Auftritt" kennen und befolgen viele Prominente. Überall sind zu lange Jackenärmel und Hosen, mit zwei oder gar drei Veston-Schliessknöpfen "zugeknöpfte Herren" (nicht nur metaphorisch gemeint!) die in ihren meist zu eng geschnittenen Anzügen aussehen wie Cervelats in zu enger Haut, unpassende auffällige, zu protzig gebundene Krawatten, Damen nach US-Amerikanischer Manier mit auffällig, hässlich und sicher nicht funktional über die Jacken-Revers gestülpten Chemisekragen usw. zu beobachten! Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Jeden Tag wird man im Geschäftsleben, am TV-Bildschirm, auch in TV- und Kinofilmproduktionen oder in Printmedien mit diesen mehr oder weniger grossen Disharmonien konfrontiert - wider die Codes und Regeln aufgeklärter Image- und Outfit-Berater. Die Schmerzgrenze zu diesem fortschreitenden Nihilismus ist erreicht! Auch wenn viele Prominente, allen voran die "Cervelat-Prominenz", selbst hochgejubelte TV-Stars aller Länder, leider auch viele Fernseh-Moderatorinnen und Moderatoren, aus schlichter Ignoranz diese und eine Unzahl weiterer Fehler tätigen, sind diese nicht plötzlich richtig sondern bleiben falsch. Eine überwiegende Mehrzahl von Prominenten meint, dass bei ihrem persönlichen Auftritt alles bestens sei, und sonst sei es ihnen auch egal. Das lässt den Schluss zu, dass ihnen auch ihr Vis-à-vis gleichgültig ist, denn "Klasse haben" heisst den anderen wertzuschätzen. Die Ignoranz dieser Leute ist zwar menschlich verständlich, denn Leute die hoch auf der Karriereleiter stehen, tun sich mit ihrer Selbsterkenntnis oft schwer. Doch nur diejenigen Personen die sich auch in Frage stellen können beweisen tatsächliche Persönlichkeit und richtige Grösse! Niemand kann schliesslich alles wissen. Ein korrekter Auftritt allein macht sicher keine Karriere - aber etwas leichter wird es damit schon, denn ganz bestimmt sind Äusserlichkeiten keine Nebensächlichkeit sondern bilden zusammen mit einem intakten Inneren einer Persönlichkeit eine unschlagbare Grösse. Und übrigens hat "Klasse" und Mode nicht viel miteinander zu tun – wobei Mode "Klasse" nicht in jedem Fall ausschliesst. Modeheinis scheinen ohnehin wenig von "Klasse" zu verstehen. Weil dem so ist, wird wohl das Bonmot des Altmeisters Emilio Schuberth weiterhin seine traurige Aktualität behalten: "Mode ist das wichtigste Mittel im Kampf der Textilindustrie gegen die zunehmende Haltbarkeit der Stoffe."

Hanspeter Bühler, Imageberater

 www.mediabuehler.ch



Authentizität anstatt Individualität

Weiach. - "Klasse" im persönlichen Business-Auftritt ist out – meinen Sie? Individualismus ist heute angesagt? Also tun was immer man möchte? Ein Trugschluss der Massen.

Leute von heute wollen Individualisten sein, möchten tun was sie wollen, freiwillig und ständig, und machen doch dasselbe wie alle anderen auch: Sie fliegen wie die anderen Millionen in der Hochsaison an die populärsten und somit frequentiertesten Destinationen, sie begeben sich in den Stau, tauchen ein in die bald überall stattfindenden Massenveranstaltungen – ad absurdum Street-Paraden - , stehen Schlange bei Fastfood-Massenabfertigungen oder sorgen für höchste Einschaltquoten der massenverdummenden sogenannten "Reality-Soaps". So wundert’s nicht dass auch ihr Massenlook-Outfit sich nicht unterscheidet von all den übrigen "Individualisten". "Aber ja doch", werden viele wohl jetzt intervenieren, "ein Mann mit Dreitagebart, der einen Ohrenring trägt, seine Kopfhaare mit Gelee senkrecht vom Kopf weg frisiert, der hat doch Mut, der hebt sich ab." Oder die "individuellen" Damen mit ihren Piercings, ihrer je nach Figur mehr oder weniger schön anmutenden Bauchfrei-Mode etc., die sind doch "cool" und up to date. Weit gefehlt, denn die Massen von "Individualisten" die diesselben und viele andere ähnliche Gags einsetzen, beweisen damit keine Zeichen von Individualität, und mit Identität und "Klasse" haben sie ganz sicher nichts zu tun. Im krampfhaften Bestreben, individuell zu wirken, greifen viele Damen und Herren zu Ausgefallenem, aber weil die meisten ebenfalls dasselbe tun erscheinen alle trotzdem gewöhnlich und mittelmässig.

Die Lösung ist seine Identität und seine Authentizität zu finden und zu leben, nicht zu übertreiben, nichts Ausgefallenes einzusetzen, nicht auffallen, sondern gefallen und zu unterlassen was die Eigenständigkeit stört. Das hat "Klasse"! Authentizität – das ist die Bezeichnung für Glaubwürdigkeit, Echtheit, Zuverlässigkeit, Stimmigkeit. Bei authentischen Personen wirkt die gesamte Erscheinung authentisch, wenn rationale und emotionale, verbale und nonverbale, sichtbare und nicht sichtbare Signale und Informationen übereinstimmen.

Hanspeter Bühler